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Losung, Fraßspuren und Baue: die Zeichen neben dem Abdruck

Der Abdruck ist nur eines von vielen Zeichen. Losung, Fraßreste, Baue und Suhlen verraten oft mehr, und sie liegen auch dort, wo kein Boden eine Spur hält.

Warum diese Zeichen oft mehr taugen als der Abdruck

Ein Abdruck braucht den passenden Untergrund. Auf trockenem Laub, in dichter Nadelstreu, auf Asphalt und auf hartem Sommerboden bleibt nichts stehen, und damit fällt an vielen Tagen die halbe Landschaft als Spurenfläche aus. Wie man in dieser Lage trotzdem Abdrücke findet, steht im Ratgeber zu Tierspuren im Sommer.

Die übrigen Zeichen sind da unabhängiger. Losung liegt auf jedem Untergrund. Ein angenagter Stamm hält Jahre. Ein Dachsbau ist über Generationen derselbe. Wer sie lesen kann, bestimmt Arten auch dort, wo kein einziges Trittsiegel zu finden ist.

Dazu kommt eine zweite Stärke: Diese Zeichen sagen nicht nur, wer da war, sondern was das Tier getan hat. Ein Abdruck zeigt einen Weg, eine Suhle einen Ort, an dem etwas passiert.

Losung: Form, Inhalt, Ort

Drei Fragen führen fast immer zum Ziel. Wie ist sie geformt? Was steckt darin? Und wo genau liegt sie?

Der Ort ist dabei unterschätzt. Viele Arten setzen Losung als Markierung ab, also betont sichtbar und erhöht, und genau das ist ein Merkmal.

Hundeartige. Die Losung vom Fuchs ist zugespitzt gedreht und enthält häufig Haare, Federn oder Fruchtkerne. Sie liegt auffällig auf erhöhten Stellen: Steine, Grasbüschel, Wegmitte.

Marderartige. Ähnlich gedreht und zugespitzt, mit Haaren, Federn und im Spätsommer vielen Fruchtresten. Der Steinmarder legt sie auf Mauern, Balken und Autodächer, der Baummarder auf Baumstümpfe und Wurzelteller. Der Fischotter setzt seine auf Steine und unter Brücken, erkennbar an Fischschuppen und Gräten.

Der Dachs fällt aus der Reihe. Er legt Latrinen an: flache, offene Gruben in Bauhöhe, die er füllt und nicht zuscharrt. Wer eine solche Grube findet, hat den Bau in der Nähe.

Paarhufer. Beim Reh glänzend schwarze, längliche Köttel, an einem Ende zugespitzt, oft in kleinen Haufen. Beim Rothirsch dieselbe Form, deutlich größer. Bei der Gämse kleine, zugespitzte Köttel, häufig an Ruheplätzen unter Felsvorsprüngen.

Hasenartige. Der Feldhase hinterlässt flache, runde Kugeln von etwa anderthalb Zentimetern, hell und faserig. Beim Wildkaninchen sind sie kleiner, fast kugelig, und liegen an festen Stellen in Haufen beieinander.

Nagetiere und kleine Säuger. Bei der Wanderratte länglich, ein bis zwei Zentimeter, an den Enden stumpf. Beim Igel schwarz, länglich, glänzend, mit erkennbaren Insektenresten, oft mitten auf Rasenflächen und Wegen.

Wasservögel. Die Graugans hinterlässt walzenförmige, deutlich grüne Losung von zwei bis sieben Zentimetern. An beliebten Uferwiesen liegt sie in Mengen.

Anfassen ist keine gute Idee. Losung wird angesehen, fotografiert und mit einem Stock bewegt, nicht mit den Fingern. Das gilt besonders für Fuchs und Hund, Stichwort Fuchsbandwurm. Wer Beeren oder Kräuter am selben Ort sammelt, wäscht sie ohnehin.

Fraßspuren: wer hat hier gegessen

Fraßreste sind oft eindeutiger als jede Losung, weil sie eine Technik zeigen und nicht nur ein Ergebnis.

  • Fichtenzapfen. Das Eichhörnchen nagt die Schuppen sauber ab und lässt die Spindel mit einem Schopf am oberen Ende stehen.
  • Haselnüsse. Vom Eichhörnchen aufgebrochen, von Mäusen mit gleichmäßigen Nagespuren rund um das Loch geöffnet. Am geöffneten Rand liest man die Art.
  • Dünne Triebe an Gehölzen. Hase und Kaninchen schneiden mit den Nagezähnen glatt und schräg ab. Rehe rupfen und lassen ausgefranste Enden zurück. Verbiss bis etwa fünfzig Zentimeter Höhe spricht für Kaninchen, höherer eher für Hasen oder Rehe.
  • Geschälte Stämme. Beim Rothirsch wird die Rinde in Streifen abgezogen, meist zwischen einem halben und zwei Metern Höhe.
  • Angenagte Stämme am Wasser. Der Biber hinterlässt den sanduhrförmigen Anschnitt und grobe Späne am Boden. Verwechseln lässt sich das mit nichts.
  • Angefressene Schilfhalme und Kolben. Typisch für den Bisam, dazu ausgetretene Uferpfade.
  • Aufgebrochener Boden. Wo eine Rotte Wildschweine nach Wurzeln, Engerlingen und Eicheln gesucht hat, sieht eine Wiese aus wie umgepflügt. Der Dachs hinterlässt dagegen einzelne, kleine Grabtrichter.

Baue, Burgen, Suhlen und Plätze

Bauwerke sind die langlebigsten Zeichen im Gelände. Sie beantworten nicht die Frage, wer gestern hier lief, sondern die Frage, wer hier wohnt.

  • Dachsbau: große, ovale Röhren mit ausgeworfenem Erdhügel davor, dazu ausgetretene, oft erstaunlich gerade Wechsel in die Umgebung, und die Latrinen in der Nähe.
  • Fuchsbau: ebenfalls Röhren, dazu Grabspuren, ausgetretene Wechsel und Reste von Beute vor dem Eingang.
  • Kaninchenkolonie: ein Netz ausgetretener Pfade zwischen Bau und Äsungsfläche, das sich über Jahre hält, mit Losungshaufen an festen Stellen. Der Feldhase hat nichts davon: Er lebt nicht im Bau, und genau das trennt die beiden Arten im Gelände.
  • Biberburg und Damm aus Ästen und Schlamm, dazu Rutschen am Ufer, an denen das Tier regelmäßig ins Wasser wechselt. Die Bisamburg daneben ist kleiner und besteht aus Schilf und Wasserpflanzen, nicht aus Ästen.
  • Suhlen: flache, wassergefüllte Mulden mit aufgewühltem Rand. In der Nähe stehen oft Bäume mit schlammverschmierter Rinde in Kniehöhe, an denen sich Wildschweine nach dem Bad scheuern.
  • Brunftplätze und Fegestellen: Der Damhirsch legt im Herbst ausgetretene Mulden mit aufgewühltem Boden an. Rehböcke schlagen im Frühjahr die Rinde dünner Bäume ab; solche Fegestellen stehen meist einzeln am Rand einer Fläche.

Was du daraus schließen darfst und was nicht

Diese Zeichen sind stark in der Aussage über die Art und schwach in der Aussage über die Zeit. Ein Bau sagt nicht, ob er gerade bewohnt ist. Losung altert langsam und unauffällig. Eine Fegestelle vom letzten Frühjahr sieht im Herbst noch ähnlich aus.

Deshalb gilt dieselbe Regel wie beim Abdruck: Ein Zeichen allein ist eine Vermutung, mehrere Zeichen am selben Ort ergeben ein Bild. Losung plus ausgetretener Wechsel plus Fraßreste plus ein Abdruck an der nächsten Pfütze, das ist eine Bestimmung. Nur die Losung, das ist ein Hinweis.

Wie du den Abdruck dazu liest, steht im Ratgeber zum Bestimmen von Tierspuren; was das Muster einer Fährte verrät, im Ratgeber zum Lesen von Fährten.

Häufige Fragen

Kann ich eine Art allein an der Losung bestimmen?

Bei einigen Arten ja, etwa beim Fischotter mit Fischschuppen und Gräten oder beim Dachs mit seinen Latrinen. Bei vielen anderen bleibt es eine Eingrenzung auf eine Gruppe, und dann entscheidet der Fundort.

Woran erkenne ich, ob ein Bau bewohnt ist?

An frischer Erde vor der Röhre, an Haaren am Rand des Eingangs, an frischer Losung in der Nähe und an Abdrücken im Boden davor. Sicher ist das nie, und ein Bau wird weder ausgegraben noch ausgeleuchtet.

Was ist der Unterschied zwischen Losung und Kot?

Keiner in der Sache. „Losung” ist der jagdliche Fachbegriff, der auch in der Fachliteratur benutzt wird, und deshalb steht er auf dieser Seite.

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Quellen

Die Angaben in diesem Ratgeber sind gegen die folgenden Quellen geprüft.

  • Tierspuren. Fährten, Fraßspuren, Losungen, Gewölle und andere Preben Bang und Preben Dahlström, Kosmos Naturführer
  • Artenporträts heimischer Wildtiere Wildtierportal Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

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