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Tierspuren im Sommer finden, wenn der Boden hart ist

Der Sommer ist die schwierigste Jahreszeit für Spuren. Wo trotzdem etwas steht, warum Staub kurzlebig ist und weshalb jetzt die anderen Zeichen zählen.

Warum der Sommer die schwierigste Jahreszeit ist

Harter, trockener Boden nimmt nur die kräftigsten Teile eines Abdrucks auf, meist die Ballen, und unterschlägt Zehen und Krallen. Dazu kommt die Vegetation: Wo im März offener Boden lag, steht im Juli Gras, und trockenes Laub gibt ohnehin nichts her.

Das Ergebnis ist ein Gelände, in dem die Fläche als Spurenträger weitgehend ausfällt. Was bleibt, sind Stellen und Zeichen, und beide muss man gezielt ansteuern.

Die Stellen, die im Sommer tragen

  • Ufer und trockengefallene Flachwasserzonen. Sinkt der Wasserstand, entsteht ein frischer Streifen aus feinem Schlick, der Abdrücke besser hält als jeder Boden im Winter. An Gewässern ist im Sommer die beste Zeit für scharfe Abdrücke.
  • Pfützenränder nach einem Gewitter. Kurzlebig und ergiebig: Der Boden ist weich, und alles, was darin steht, ist von heute Nacht.
  • Viehtränken, Wildäcker und bewässerte Flächen. Wo Wasser hinkommt, bleibt der Boden weich.
  • Staubige Wegränder, Sandgruben und sandige Forstwege. Dort reicht feiner Staub für erstaunlich saubere Abdrücke.
  • Feuchte Senken im Wald. Auch im Hochsommer bleiben Stellen an Quellen, Gräben und auf Rückegassen weich, mehr dazu auf der Seite zum Wald.
  • Frisch bearbeitete Äcker und Baustellen. Unromantisch, aber nach jeder Bodenbearbeitung entsteht eine neue, leere Fläche.

Staub ist ein eigener Untergrund

Feiner Staub bildet erstaunlich viel ab, oft sogar Krallen und Sohlenstruktur. Er hat nur zwei Eigenschaften, die man kennen muss: Er ist extrem kurzlebig, weil schon leichter Wind ihn glättet, und er trägt keine Tiefe. Ein Abdruck im Staub zeigt die Fläche, nicht die Kraft.

Praktisch heißt das: Staubspuren sind am frühen Morgen am besten, bevor der Tagwind einsetzt, und sie wandern schlecht in die Größenvergleichstabelle. Für die Form sind sie hervorragend, für die Maße mittelmäßig. Die Spannen aller Arten stehen in der Größentabelle.

Jetzt zählen die anderen Zeichen

Wenn der Boden schweigt, reden die übrigen Spuren. Im Sommer sind Fraßreste, Losung, Wechsel und Baue oft die einzige Quelle, und sie sind vom Untergrund unabhängig.

Ausgetretene Wechsel durch hohes Gras sind im Sommer sogar deutlicher zu sehen als im Winter. Fraßreste sind reichlich vorhanden, von aufgebrochenen Haselnüssen bis zu verbissenen Trieben. Und viele Arten markieren im Sommer besonders deutlich. Alles dazu steht im Ratgeber zu Losung, Fraßspuren und Bauen.

Zwei Fallen, die es nur im Sommer gibt

Jungtiere. Im Sommer laufen Jungtiere mit, und ihre Abdrücke sind kleiner als die Spanne, die für die Art angegeben ist. Ein zu kleiner Abdruck ist deshalb kein Grund, zur nächstkleineren Art zu wechseln, vor allem nicht, wenn er in einer Fährte mit größeren Abdrücken steht.

Teilabdrücke. Auf hartem Boden zeichnet oft nur der Ballen. Wer den als ganzen Abdruck misst, misst zu klein und ordnet falsch zu. In diesem Fall zählt die Schrittlänge mehr als die Abdrucklänge, wie im Ratgeber zum Messen von Tierspuren beschrieben.

Der beste Zeitpunkt

Früh. Nachtaktive Arten sind bis in die Dämmerung unterwegs, der Tau hält den Staub kurz feucht, und das flache Morgenlicht zeichnet jede Kante. Zwei Stunden nach Sonnenaufgang ist dieselbe Stelle oft deutlich ärmer.

Der zweite gute Zeitpunkt ist der Morgen nach einem Gewitter. Dann gilt für einen halben Tag dasselbe wie nach frischem Schneefall: Alles, was zu sehen ist, ist neu.

Rücksicht im Sommer

Zwischen Frühjahr und Hochsommer liegen Brut- und Setzzeit. Wiesen werden nicht durchquert, Uferschilf nicht betreten, und Hunde gehören in dieser Zeit besonders konsequent an die Leine. Ein Rehkitz in der Wiese und ein Bodenbrüter im Feld haben gemeinsam, dass man sie nicht sieht, bevor es zu spät ist.

Das ist keine Einschränkung des Spurenlesens, sondern seine Voraussetzung: Wer die Fläche in Ruhe lässt, hat im nächsten Jahr mehr zu lesen.

Häufige Fragen

Lohnt sich das Spurenlesen im Sommer überhaupt?

Ja, nur anders. Im Winter liest man Fährten, im Sommer liest man Zeichen und einzelne sehr gute Abdrücke an wenigen Stellen. Wer die Stellen kennt, findet im Sommer sogar schärfere Abdrücke als im Schnee.

Warum finde ich im Wald im Sommer fast nichts?

Weil trockenes Laub und Nadelstreu nichts aufnehmen. Such nicht auf der Fläche, sondern an den weichen Stellen: Pfützen, Gräben, Rückegassen, Quellbereiche.

Kann ich Abdrücke im Staub abgießen?

Nur eingeschränkt. Staub trägt den Gips schlecht, und die Kanten brechen beim Eingießen ein. Wenn der Abdruck es wert ist, hilft manchmal ein sehr feiner Wassernebel aus einer Sprühflasche, bevor der Gips kommt. Das Vorgehen selbst steht im Ratgeber zum Abgießen eines Trittsiegels.

Weiter im Ratgeber

Tierspuren bestimmen

Eine Spur wird in vier Schritten lesbar: Form, Gangart, Maße und Umfeld. Diese Reihenfolge führt schneller zum Ergebnis als jede Bildersuche.

Tierspuren messen

Maße sind nur brauchbar, wenn klar ist, was gemessen wurde. Wie du Abdruck, Schrittlänge und Fundort so festhältst, dass die Angaben später noch etwas taugen.

Zum Spurenfinder

Quellen

Die Angaben in diesem Ratgeber sind gegen die folgenden Quellen geprüft.

  • Tierspuren. Fährten, Fraßspuren, Losungen, Gewölle und andere Preben Bang und Preben Dahlström, Kosmos Naturführer
  • Artenporträts heimischer Wildtiere Wildtierportal Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

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