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Ein Trittsiegel in Gips abgießen

Ein Abguss hält fest, was der nächste Regen wegnimmt. Welches Material du brauchst, wie du Gips anrührst und wo die drei Fehler liegen, an denen ein Abdruck zerbricht.

Wann sich ein Abguss lohnt

Nicht jeder Abdruck ist es wert. Ein Abguss kostet zwanzig Minuten Wartezeit vor Ort und einen Tag Trocknung zu Hause, und das lohnt sich nur bei einem Abdruck, der vollständig, scharf und einigermaßen eben ist.

Dafür bekommst du etwas, das kein Foto liefert: ein Stück, das man in die Hand nehmen, von der Seite betrachten und neben ein anderes legen kann. Wer Arten vergleichen will, deren Spuren sich in den Maßen überschneiden, hat mit zwei Abgüssen nebeneinander mehr in der Hand als mit zwanzig Bildern.

Am häufigsten gelingt das im Schlamm. Was dort einen guten Abdruck ausmacht, steht im Ratgeber zu Tierspuren im Schlamm.

Was du brauchst

  • Modellgips oder Alabastergips, etwa zwei bis drei Handvoll je Abdruck. Baumarktqualität reicht. Kein Zement, er bindet zu langsam und wird zu hart.
  • Einen Streifen fester Karton oder dünnes Plastik, rund fünf Zentimeter hoch und lang genug für einen Ring um den Abdruck, dazu eine Büroklammer.
  • Wasser, am besten mitgebracht. Am Bach reicht eine leere Flasche.
  • Ein Anrührgefäß, das dir egal ist, oder einen stabilen Gefrierbeutel, in dem sich der Gips kneten lässt.
  • Etwas zum Umrühren, eine Zeitung zum Einwickeln und eine weiche Bürste für später.

Wer öfter abgießt, packt das dauerhaft in eine kleine Dose. Der Fund kommt selten dann, wenn man vorbereitet ist.

Schritt für Schritt

  1. Den Abdruck vorbereiten. Lose Halme, Blätter und Steinchen vorsichtig mit den Fingerspitzen oder einer Pinzette herausnehmen. Am Abdruck selbst wird nichts geglättet und nichts angedrückt.
  2. Den Ring setzen. Kartonstreifen zum Ring schließen, um den Abdruck stellen und leicht in den Boden drücken, damit nichts ausläuft. Zwei Zentimeter Abstand ringsum genügen.
  3. Gips anrühren. Immer Gips ins Wasser streuen, nicht Wasser auf den Gips. Streuen, kurz sumpfen lassen, dann rühren, bis die Masse etwa die Konsistenz von flüssiger Sahne hat. Zu dünn bricht später, zu dick füllt die feinen Stellen nicht aus.
  4. Eingießen. Nicht mittig auf den Abdruck gießen, sonst spült der Strahl die Feinheiten weg. Über den Löffel oder an der Ringwand entlang laufen lassen, bis der Abdruck bedeckt ist, dann bis zur Ringhöhe auffüllen.
  5. Warten. Rund zwanzig Minuten, bis die Oberfläche fest ist und sich nicht mehr warm anfühlt. Abbindender Gips wird spürbar warm; das ist ein gutes Zeichen und der beste Timer, den es gibt.
  6. Bergen. Mit der Hand großzügig unter dem Abguss in den Boden fahren und ihn samt anhaftender Erde anheben. Nicht am Rand ziehen, dort bricht er. In Zeitung einschlagen, Ring dranlassen.
  7. Zu Hause trocknen lassen, mindestens einen Tag, besser zwei. Erst dann die Erde mit einer weichen Bürste unter fließendem Wasser abnehmen. Wer früher schrubbt, schrubbt die Zehen mit ab.
  8. Beschriften. Datum, Ort, Untergrund und, wenn bekannt, die Art. Ein unbeschrifteter Abguss ist nach einem Jahr ein hübscher Stein.

Die drei Fehler, an denen es scheitert

Zu dünn angerührt. Der Abguss bindet ab, sieht gut aus und zerbricht beim Anheben in drei Teile. Lieber etwas zu dick als zu dünn.

Zu früh angehoben. Zwanzig Minuten fühlen sich draußen lang an. Wer nach zehn zieht, verbiegt die Unterseite, also genau die Seite, auf die es ankommt.

Zu früh gereinigt. Der Abguss ist nach dem Bergen fest, aber noch nicht durchgehärtet. Erde, die man am selben Tag abbürstet, nimmt die feinen Kanten mit.

Was du in der Hand hältst

Der Abguss ist das Gegenstück des Abdrucks: Wo die Pfote den Boden nach unten gedrückt hat, steht am Gips eine Erhebung. Er zeigt also die Unterseite der Pfote, nicht das Bild, das du im Boden gesehen hast.

Wer das Bild aus dem Boden haben will, gießt in einem zweiten Schritt vom ersten Abguss eine Form ab. Für den Vergleich zweier Arten braucht es das nicht: Beide Abgüsse sind auf dieselbe Weise entstanden und damit direkt vergleichbar.

Schnee ist ein Sonderfall

Im Schnee ist ein Abguss schwierig, weil abbindender Gips Wärme abgibt und die Form von innen antaut. Wer es versucht, rührt mit sehr kaltem Wasser an, lässt die Masse etwas anziehen und füllt sie in einer dünnen ersten Schicht ein. Zuverlässig ist das nicht, und bei Pulverschnee wird es nichts.

Im Winter ist die bessere Antwort meist das Foto mit Maßstab plus die Aufnahme der ganzen Fährte. Warum die Fährte im Schnee ohnehin mehr hergibt als der Einzelabdruck, steht im Ratgeber zu Tierspuren im Schnee.

Wo du nicht abgießen darfst

In Naturschutzgebieten, Nationalparks und überall dort, wo Betretungsregeln gelten, gilt das auch für den Gips. Die Fläche wird nicht verändert, kein Ring in den Boden gedrückt, kein Material zurückgelassen.

Zurückgelassener Gips ist ohnehin der häufigste Fehler nach dem Abguss: Bruchstücke, Kartonringe und Reste im Anrührgefäß gehören wieder eingepackt. Und für die Maße gilt weiterhin, was im Ratgeber zum Messen von Tierspuren steht: Gemessen wird am Abdruck im Boden, nicht am Abguss, der beim Bergen minimal nachgibt.

Häufige Fragen

Wie viel Gips brauche ich für einen Abdruck?

Für eine Fuchs- oder Rehspur reichen zwei bis drei Handvoll. Für große Schalenspuren oder einen Wolfsabdruck rechne mit dem Doppelten und einem höheren Ring.

Kann ich den Abguss draußen liegen lassen und später holen?

Besser nicht. Ein halb ausgehärteter Abguss nimmt Regen auf und zerfällt, und aufgeschichtete Zeichen im Gelände sind eine Einladung für Neugierige. Mitnehmen oder gar nicht erst anfangen.

Der Abguss ist zerbrochen. Kann ich ihn kleben?

Ja, mit normalem Weißleim, und die Bruchkanten passen exakt. Ein geklebter Abguss taugt zum Vergleichen weiterhin, nur als Ausstellungsstück nicht mehr.

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Quellen

Die Angaben in diesem Ratgeber sind gegen die folgenden Quellen geprüft.

  • Tierspuren. Fährten, Fraßspuren, Losungen, Gewölle und andere Preben Bang und Preben Dahlström, Kosmos Naturführer

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