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Tierspuren bestimmen: so gehst du vor

Eine Spur wird in vier Schritten lesbar: Form, Gangart, Maße und Umfeld. Diese Reihenfolge führt schneller zum Ergebnis als jede Bildersuche.

Warum die Reihenfolge wichtig ist

Wer eine Spur bestimmen will, beginnt am besten mit der Form und nicht mit dem Tier. Die Frage lautet zuerst: Was liegt hier überhaupt vor? Erst danach lohnt die Frage, wer es hinterlassen hat. Diese Reihenfolge schließt in jedem Schritt Möglichkeiten aus und endet mit wenigen Kandidaten statt mit einer Ahnung.

Schritt 1: Die Grundform erkennen

Der erste Blick gilt dem Umriss. Handelt es sich um einen zusammenhängenden Abdruck mit einzelnen Zehen, oder um zwei getrennte Hälften?

Zwei getrennte Hälften bedeuten einen Paarhufer, also Reh, Rothirsch, Damhirsch, Wildschwein oder Weidevieh. Einzelne Zehen bedeuten eine Pfote. Dann zählst du sie: Vier Zehen sprechen für Hundeartige, Katzen oder Hasenartige, fünf Zehen für Marderartige einschließlich Dachs, für Waschbär oder für Nagetiere.

Danach prüfst du die Krallen. Sichtbare Krallenstriche vor den Zehen sprechen für Hundeartige und Marderartige. Fehlen sie bei einem sonst deutlichen Abdruck, kommt eine Katze infrage, die ihre Krallen beim Gehen einzieht.

Schritt 2: Die Gangart lesen

Eine einzelne Spur verrät die Art, das Muster mehrerer Abdrücke verrät das Verhalten. Drei Grundmuster kommen in Mitteleuropa am häufigsten vor.

Beim Schnüren setzt das Tier den Hinterlauf in den Abdruck des Vorderlaufs. Es entsteht eine einzige, fast gerade Abdruckreihe. Fuchs und Wolf zeigen das typischerweise.

Beim Traben und Gehen liegen die Abdrücke in zwei versetzten Reihen. Das ist die normale Fortbewegung der meisten Huftiere und des Dachses.

Beim Springen stehen die Abdrücke in Gruppen mit größeren Lücken dazwischen. Hasen, Kaninchen und Eichhörnchen bewegen sich so.

Schritt 3: Maße nehmen

Länge und Breite eines einzelnen Abdrucks grenzen die Art weiter ein, allerdings nur, wenn du weißt, worauf sich die Zahl bezieht. Gemessen wird der Ballen- und Zehenbereich ohne Krallen, an der längsten und der breitesten Stelle. Ein Gegenstand bekannter Größe im Bild macht ein Foto später auswertbar.

Wichtig ist der Untergrund. Tauender Schnee weitet jeden Abdruck auf, tiefer Schlamm ebenfalls. Eine Spur, die zu groß wirkt, ist häufig nur eine aufgeweichte Spur.

Neben der Größe des Einzelabdrucks hilft die Schrittlänge, also der Abstand von einem Abdruck zum nächsten derselben Seite. Mehr dazu steht im Ratgeber zum Messen von Tierspuren.

Schritt 4: Das Umfeld einbeziehen

Der Fundort entscheidet häufiger als das letzte Detail im Abdruck. Ein breiter Schalenabdruck neben einer Schafweide stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Schaf. Eine große Hundeartigenspur auf einem viel begangenen Waldweg stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Hund.

Nimm deshalb mit auf: Lebensraum, Untergrund, weitere Spuren in der Nähe, Losung, Fraßspuren und ob der Ort für die Art überhaupt infrage kommt.

Wann eine Bestimmung offenbleibt

Nicht jede Spur lässt sich bestimmen, und das ist kein Mangel an Übung. Ein halber Abdruck in trockenem Laub gibt nicht genug her. Bei streng geschützten Arten wie dem Wolf ist die Einordnung ohnehin Sache des amtlichen Monitorings, das Spuren, Fotos und Proben nach einheitlichen Kriterien bewertet.

Eine ehrliche Antwort lautet dann: Grundform bekannt, Art offen. Das ist mehr wert als eine falsche Zuordnung.

Weiter im Ratgeber

Tierspuren messen

Maße sind nur brauchbar, wenn klar ist, was gemessen wurde. Wie du Abdruck, Schrittlänge und Fundort so festhältst, dass die Angaben später noch etwas taugen.

Tierfährten lesen

Eine Fährte ist mehr als eine Reihe Abdrücke. Aus Muster, Schrittlänge und Richtung lässt sich ablesen, wie sich ein Tier bewegt hat und oft auch warum.

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Quellen

Die Angaben in diesem Ratgeber sind gegen die folgenden Quellen geprüft.

  • Tierspuren. Fährten, Fraßspuren, Losungen, Gewölle und andere Preben Bang und Preben Dahlström, Kosmos Naturführer
  • Artenporträts heimischer Wildtiere Wildtierportal Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

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