Tierspuren bestimmen
Eine Spur wird in vier Schritten lesbar: Form, Gangart, Maße und Umfeld. Diese Reihenfolge führt schneller zum Ergebnis als jede Bildersuche.
Eine Fährte ist mehr als eine Reihe Abdrücke. Aus Muster, Schrittlänge und Richtung lässt sich ablesen, wie sich ein Tier bewegt hat und oft auch warum.
Der einzelne Abdruck heißt Trittsiegel. Die Reihe zusammengehörender Abdrücke heißt Fährte. Für die Bestimmung ist die Fährte oft aussagekräftiger, weil sie zeigt, wie sich ein Tier bewegt, und weil sich Fehler eines einzelnen schlechten Abdrucks darin ausgleichen.
Das gilt besonders dort, wo Einzelabdrücke mehrdeutig sind. Wolf und großer Hund hinterlassen praktisch gleiche Trittsiegel. Erst über eine längere Strecke trennen sich die Bilder: Der Wolf zieht gleichmäßig und geradlinig, der Hund bewegt sich sprunghaft und wechselt häufig die Richtung.
Geschnürte Fährte. Der Hinterlauf setzt in den Abdruck des Vorderlaufs. Sichtbar bleibt eine einzige, fast gerade Reihe. Fuchs und Wolf zeigen dieses Muster im ruhigen Trab, ebenso manche Hunde.
Versetzte Doppelreihe. Die Abdrücke liegen links und rechts einer gedachten Mittellinie. So gehen die meisten Huftiere im Schritt, ebenso der Dachs.
Sprunggruppen. Vier Abdrücke stehen dicht beieinander, dann folgt eine Lücke. Hasen, Kaninchen und Eichhörnchen bewegen sich so. Innerhalb der Gruppe verrät die Anordnung der Vorderpfoten die Art: hintereinander beim Hasen, nebeneinander beim Eichhörnchen.
Bei Pfoten und Schalen zeigen die Zehen beziehungsweise die Schalenspitzen in Laufrichtung. Bei Sprungmustern ist es unerwartet: Die großen Hinterpfoten landen vor den Vorderpfoten. Die Laufrichtung zeigt also dorthin, wo die beiden langen Abdrücke nebeneinander liegen.
Ein zweiter Hinweis liegt im Material. Erde, Sand oder Schnee werden beim Abdrücken nach hinten ausgeworfen. Der aufgeworfene Rand liegt damit entgegen der Laufrichtung.
Ein Tier, das gemächlich äst, setzt kurze Schritte und wechselt oft die Richtung. Ein Tier auf dem Weg von A nach B zieht gleichmäßig. Ein flüchtendes Tier hinterlässt große Abstände, tief eingedrückte Abdrücke und häufig gespreizte Zehen oder Schalen.
Wenn sich das Muster innerhalb einer Fährte ändert, ist an dieser Stelle etwas passiert. Wo eine ruhige Schrittfährte in weite Sprünge übergeht, hat das Tier reagiert, oft auf einen Menschen, einen Hund oder ein anderes Tier.
Eine Fährte zu verfolgen bedeutet, sich einem Tier zu nähern. Im Winter kostet jede Flucht Energiereserven, die knapp sind. Wildruhezonen, Schonzeiten und örtliche Betretungsregeln gehen deshalb dem Interesse an der nächsten Beobachtung vor, und Hunde bleiben in dieser Zeit an der Leine.
Eine Spur wird in vier Schritten lesbar: Form, Gangart, Maße und Umfeld. Diese Reihenfolge führt schneller zum Ergebnis als jede Bildersuche.
Maße sind nur brauchbar, wenn klar ist, was gemessen wurde. Wie du Abdruck, Schrittlänge und Fundort so festhältst, dass die Angaben später noch etwas taugen.
Die Angaben in diesem Ratgeber sind gegen die folgenden Quellen geprüft.
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