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Tierspuren im Schlamm und am Ufer erkennen

Schlamm zeigt mehr Details als jeder andere Untergrund und verzerrt zugleich die Maße. Wo du suchst, was der Boden mit dem Abdruck macht und welche Arten am Wasser stehen.

Warum Schlamm der genaueste Untergrund ist

Im Schnee siehst du die ganze Strecke, im Schlamm den einzelnen Abdruck. Feiner, bindiger Schlamm nimmt auf, was sonst verloren geht: die Kontur der Zehenballen, die Striche der Krallen, bei sauberem Abdruck sogar die Struktur der Sohle. Wer ein Merkmal prüfen will, das über die Art entscheidet, sucht dafür eine Schlammstelle und keinen Schneefeld.

Der Preis dafür ist die Maßgenauigkeit. Je weicher der Boden, desto mehr gibt er nach, und desto größer wird der Abdruck. Beides zusammen heißt: Im Schlamm bestimmst du die Form, die Größe bestätigst du woanders.

Wo die guten Stellen liegen

Schlamm ist kleinräumig. Er liegt nicht auf der Fläche, sondern in Streifen und Flecken, und genau dort sammeln sich die Spuren, weil auch die Tiere diese Stellen queren müssen.

  • Pfützenränder auf Wegen. Der zuverlässigste Fundort überhaupt, im Wald wie in der Feldflur. Der Weg führt, die Pfütze zwingt zum Rand, der Rand hält den Abdruck.
  • Rückegassen und weiche Stellen nach Forstarbeiten. Aufgewühlter Boden, der wochenlang feucht bleibt.
  • Uferstreifen an Bächen, Gräben und Teichen. An Gewässern steht die Spur oft in einem schmalen Band zwischen Wasser und Bewuchs.
  • Sandbänke und flach auslaufende Böschungen. Dort, wo Tiere aus dem Wasser kommen, liegen Abdrücke in Serie.
  • Viehtränken, Wildäcker und Ackerränder nach Regen. Schwerer, nasser Boden hält tiefe, saubere Abdrücke.
  • Baustellen, Wegebau und frisch geschobene Erde. Unromantisch und ergiebig, gerade im Siedlungsraum.

An all diesen Stellen lohnt der zweite Blick auf das, was neben dem Abdruck liegt: Losung, Fraßreste und Baue stehen oft genau dort, wo auch die Spur steht.

Der beste Zeitpunkt ist der Tag nach einem Regen, und im Hochsommer ist er oft der einzige, wie der Ratgeber zu Tierspuren im Sommer zeigt. Dann ist der Boden weich, und alles, was darin steht, ist neu. Bei Dauerregen dagegen verwäscht ein Abdruck innerhalb von Stunden.

Was der Boden mit den Maßen macht

Vier Wirkungen verschieben das Ergebnis regelmäßig, und alle vier gehen in dieselbe Richtung: Die Spur wirkt größer, als das Tier ist.

  • Tiefer Schlamm lässt die Zehen spreizen. Der Abdruck wird breiter, ohne dass die Pfote breiter wäre.
  • Der Rand bricht nach. Besonders in lockerem, sandigem Schlamm wandert die Kante nach innen, sobald die Pfote gehoben wird.
  • Wasser läuft nach. Ein Abdruck am Ufer füllt sich, die Kanten verwaschen, feine Merkmale verschwinden zuerst.
  • Rutschen verzerrt. An Böschungen setzt ein Tier die Pfote nicht senkrecht auf, der Abdruck wird länglich und die Krallen zeichnen überlang.

Verlässlich bleibt in allen vier Fällen die Anordnung: Zehenzahl, Stellung der Zehen zueinander, Anwesenheit oder Fehlen von Krallen und das Muster der Fährte. Wie du trotzdem zu brauchbaren Zahlen kommst, steht im Ratgeber zum Messen von Tierspuren, die Spannen aller Arten in der Größentabelle.

Trocknender Schlamm hält, was er aufgenommen hat

Der große Vorteil gegenüber dem Schnee: Ein Abdruck im Schlamm verschwindet nicht beim nächsten Temperaturwechsel, er wird hart. Auf einer abtrocknenden Fläche stehen Spuren tagelang, manchmal wochenlang, und lassen sich in Ruhe ansehen.

Das Alter liest du am Zustand des Bodens ringsum. Ein frischer Abdruck hat scharfe, feuchte Kanten und liegt in Boden, der noch glänzt. Ein älterer sitzt in mattem, angetrocknetem Schlamm. Ein alter zeigt Trockenrisse, die durch den Abdruck hindurchlaufen, oder eingewehte Blätter, Staub und Regentropfeneinschläge im Inneren.

Der Regen ist dabei die Uhr: Alles, was älter ist als der letzte kräftige Schauer, steht entweder in aufgeweichter Form da oder gar nicht mehr.

Wer am Wasser Spuren hinterlässt

Am Ufer trifft man auf Arten, die anderswo kaum auffallen. Die Schwimmhaut ist dabei das Merkmal, das am schnellsten sortiert.

  • Fischotter: fünf Zehen, Schwimmhaut häufig sichtbar, dazu Rutschbahnen an Böschungen.
  • Biber: sehr große Hinterpfote mit Schwimmhaut. Oft überdeckt der nachgeschleifte Schwanz einen Teil der Fährte.
  • Nutria und Bisam: die beiden Verwechslungskandidaten dazu, kleiner als der Biber und häufiger, als viele denken.
  • Waschbär: sucht im Flachwasser nach Nahrung und hinterlässt im Uferschlamm besonders scharfe Abdrücke, die wie kleine Handabdrücke aussehen.
  • Graureiher, Stockente, Graugans: die Vogelspuren am Wasser, von der schlanken Dreizehenspur bis zum breiten Schwimmfuß.
  • Und alles andere. Reh, Fuchs, Wildschwein und Dachs trinken, queren und suhlen ebenfalls am Wasser. Die Uferlinie ist kein Spezialfall, sie ist der meistbesuchte Ort im Revier.

Einen Fund im Schlamm dokumentieren

  1. Nicht zu nah herangehen. Weicher Boden trägt deine eigene Spur mit, und zwei Schritte zu weit machen den besten Abdruck unbrauchbar. Von einer Seite arbeiten, nicht rundherum.
  2. Wasser abwarten oder ablaufen lassen. Ein voller Abdruck lässt sich nicht fotografieren. Manchmal genügt es, zehn Minuten zu warten, bis die Trübung sich setzt.
  3. Maßstab flach daneben, senkrecht von oben fotografieren. Schlamm spiegelt, deshalb hilft es, mit dem eigenen Körper die direkte Sonne abzuschatten.
  4. Zwei, drei Abdrücke derselben Fährte aufnehmen, nicht nur den schönsten. Erst die Wiederholung zeigt, was Merkmal ist und was Zufall.
  5. Untergrund notieren. „Weicher Uferschlamm” und „fester, feuchter Sand” sind zwei verschiedene Maßstäbe für dieselbe Zahl.

Ein besonders klarer Abdruck im Schlamm ist außerdem der Regelfall für einen Abguss. Wie das geht, steht im Ratgeber zum Abgießen eines Trittsiegels.

Rücksicht am Ufer

Uferzonen sind eng, feucht und störungsempfindlich. Zwischen März und Juli brüten dort Vögel, teils direkt am Boden, und ein einziger Gang durch das Schilf kann ein Gelege kosten. Röhricht wird nicht betreten, Böschungen nicht abgerutscht, und in Schutzgebieten gelten die ausgewiesenen Wege ohne Ausnahme.

Der beste Beobachtungsplatz ist ohnehin der feste Uferweg: Von dort siehst du die Spurenbänder im Schlamm, ohne selbst welche zu hinterlassen.

Häufige Fragen

Warum sehen meine Abdrücke im Schlamm größer aus als in der Tabelle?

Weil weicher Boden nachgibt und die Zehen spreizen lässt. Vergleiche in diesem Fall die Form und die Fährte, nicht die Zentimeter, und miss lieber an einem Abdruck auf festerem Grund in derselben Fährte.

Wie lange hält eine Spur im Schlamm?

Bis zum nächsten Regen. Trocknet die Fläche vorher ab, kann derselbe Abdruck Wochen überdauern und wird dabei hart wie Ton.

Kann ich Krallen im Schlamm zuverlässig sehen?

Besser als überall sonst, aber nicht immer. Auf sehr weichem Grund sinkt die ganze Pfote ein und die Krallenstriche verschwinden im Rand. Fehlende Krallen sind deshalb im tiefen Schlamm kein Beweis für eine Katze.

Weiter im Ratgeber

Tierspuren bestimmen

Eine Spur wird in vier Schritten lesbar: Form, Gangart, Maße und Umfeld. Diese Reihenfolge führt schneller zum Ergebnis als jede Bildersuche.

Tierspuren messen

Maße sind nur brauchbar, wenn klar ist, was gemessen wurde. Wie du Abdruck, Schrittlänge und Fundort so festhältst, dass die Angaben später noch etwas taugen.

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Quellen

Die Angaben in diesem Ratgeber sind gegen die folgenden Quellen geprüft.

  • Tierspuren. Fährten, Fraßspuren, Losungen, Gewölle und andere Preben Bang und Preben Dahlström, Kosmos Naturführer
  • Artenporträts heimischer Wildtiere Wildtierportal Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

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