So erkennst du die Spur
Eine Wildkatzenspur ist ein rundlicher Abdruck mit vier Zehen und ohne Krallen, vier bis fünfeinhalb Zentimeter lang. Sie ist etwas größer als die einer Hauskatze, und genau dort endet die Bestimmung.
Das ist die ehrliche Auskunft: Wildkatze und Hauskatze haben denselben Fuß, und die Größenspannen überschneiden sich. Ein kräftiger Hauskater erreicht die Maße einer Wildkatze. Wer am Abdruck entscheidet, entscheidet auf Verdacht.
Im amtlichen Monitoring wird die Wildkatze deshalb nicht über Spuren nachgewiesen, sondern über Haarproben an Lockstöcken und deren genetische Untersuchung. Spuren liefern höchstens einen Anlass, dort genauer hinzusehen.
Die Fährte im Gelände
Die Wildkatze nutzt strukturreiche Wälder mit Totholzanteil und jagt bevorzugt auf offenen Wiesen, an Waldrändern und auf Lichtungen. Die Spur steht damit typischerweise an der Kante zwischen beidem, nicht mitten im geschlossenen Bestand und nicht mitten auf der freien Fläche.
Die Streifgebiete sind groß: bis zu zehn Quadratkilometer beim Kuder, zwei bis fünf bei der Kätzin, wobei sich das Gebiet eines Kuders mit denen mehrerer Kätzinnen überlagert. Über die genaue Zahl der Tiere sagt das wenig, über die Dichte viel: Wildkatzen leben in weiten Revieren und in kleiner Zahl, Hauskatzen in großer Zahl auf engem Raum. In Siedlungsnähe ist die Hauskatze deshalb die wahrscheinlichere Erklärung für eine Katzenspur.
Wann du Spuren findest
Die höchste Aktivität liegt in den Wintermonaten, vor allem von Januar bis März zur Ranzzeit. Das trifft sich günstig: Genau dann liegt am ehesten Schnee, und genau dann sind die Tiere am weitesten unterwegs.
In Bayern leben schätzungsweise rund siebenhundert Tiere, nachdem die Art bis in die 1980er Jahre als ausgestorben galt. Ein Spurenfund ist also möglich, aber selten, und er gehört dokumentiert statt behauptet: siehe Ratgeber zum Melden einer Spur.
Wo die Art überhaupt vorkommt
Die Wildkatze lebt in großen, zusammenhängenden Laub- und Mischwäldern mit viel Totholz und Deckung. Schwerpunkte in Deutschland sind unter anderem Eifel und Hunsrück, der Pfälzerwald, Teile von Hessen und Thüringen sowie der Harz.
Sie meidet die Nähe des Menschen. Eine krallenlose Katzenspur mitten im Ort stammt praktisch immer von einer Hauskatze. Eine ebensolche Spur zehn Kilometer tief im geschlossenen Laubwald ist ein Hinweis, mehr aber auch nicht.
Die Art ist streng geschützt. Ein vermuteter Nachweis gehört an die zuständige Landesbehörde gemeldet.